Vom Schwitzen

Bei Diction schrieb ich die Weihnachtskarten von Hand und mit einer persönlichen Note – am Ende waren es über tausendzweihundert. Dauerte Wochen. Bei Heimat verlangte ich, dass jeder Kunde beim Erstauftrag eine handgeschriebene Karte erhielt. War und ist mühsam. Aber Wertschätzung, wem Wertschätzung gebührt: Schliesslich zahlt der Kunde die Löhne.
Nun war das kein reiner Altruismus, eher reziproker Egoismus: Der Kunde freut sich – wir haben mehr Goodwill, mehr Aufmerksamkeit, bleiben ihm vielleicht in Erinnerung.
Allerdings gerät die handgeschriebene Karte als Währung der Wertschätzung gerade in Verruf, denn mittlerweile kann man das Von-Hand-Schreiben nach Arizona auslagern: Dort schreiben Roboter mit echten Stiften Massensendungen, die wie von Menschenhand geschrieben aussehen – rund 30'000 pro Tag.
Müssen wir deshalb gleich den Griffel strecken? Nein, nur anders schwitzen.
Wir Menschen finden es nämlich grundsätzlich anziehend, wenn sich das Gegenüber «für uns anstrengt». Dann ist es auch nicht mehr so tragisch, wenn das Resultat etwas schief ist – einzige Bedingung: Die Anstrengung muss echt sein, also wirklich von einem Menschen kommen. Klappt bei handschriftlichen Karten noch immer, aber (siehe Arizona) der Fake-Verdacht lauert um die Ecke: Wo Falschgeld kursiert, hält man auch echte Noten gegen das Licht. Und schon geht der Schuss nach hinten los, der Kunde fühlt sich veräppelt.
Weniger veräppelt als vielmehr überrascht wird Ihr Kunde sein, wenn Sie ihn an seinem Geburtstag anrufen – nur um zu gratulieren. Oder an seinem Firmenjubiläum auftauchen – und als Letzter gehen. Oder ihm beim nächsten Treffen eine Schachtel Ricola mitbringen – weil er beim letzten Mal gehustet hat.
Komisch? Teuer? Altmodisch? Fälschungssicher.



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