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Von den Nebenrollen im Alltagstheater

Autorenbild: Roger Koch
Roger Koch
15. Okt.
1 Min. Lesezeit

In der Kantine unseres Schulhauses gab es mehrere Kassiererinnen. Zwei sind mir in Erinnerung geblieben. Da war die A.: chronisch schlecht gelaunt, kein Blickkontakt, fahrig das Handling, giftig mit Kasse und Kunde. Dann war da die B.: immer (for real!) gut drauf, freundliches Lächeln, ansteckende Leichtigkeit, oft irgendeinen Spruch oder Witz auf Lager.


Sind ja bloss die Kassiererinnen, Nebenrollen im gewichtigen Berufsschultheater. Die Hauptrollen spielen wir: die Lehrer, die Leiterinnen, das IT-Personal, vielleicht noch die Lernenden.


Aha. Schauen wir doch mal, was an den A-Morgen mit mir passierte: Meine Laune sank beim Bezahlen des Kaffees, ich war im Schulzimmer genervter, unterrichtete schlechter, die Lernenden zogen mieser von dannen. Und an den B-Morgen war ich nach dem Passieren der Kasse besser drauf, ging heiterer ins Schulzimmer, war robuster vor der Klasse, das Lernen fiel leichter.


Übertrieben? Klar. Denn natürlich spielte auch die Verfassung meines eigenen Nervenkostüms eine Rolle. Einfach alles den Kassiererinnen anzulasten oder anzurechnen, wäre ungerecht – und dennoch hat es was: Ich habs beim Gang zum Kiosk, beim Bezahlen an der Coop-Kasse, beim Service im Restaurant immer wieder festgestellt – die anderen haben einen spürbaren Einfluss auf meine Betriebstemperatur, und damit auch auf jene Menschen, mit denen ich tagein, tagaus zu tun hatte und habe.


Menschen sind ansteckend wie ein Schnupfen. Oder wie ein Lachen.


Blosse Nebensache? Kaum.


Wie wichtig sind uns also die Nebenrollen wirklich? Die Antwort liefert die Lohnliste.

 
 
 

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